Das Tal der Tuchmacher

In einem kleinen Flusstal im bergischen Land liegt eine sich über mehrere Ortschaften erstreckende große Industriebrache. Im Kern besteht diese aus drei ehemaligen Tuchmachereien und zugehörigen Arbeitervierteln, die sich wie eine Perlenschnur hintereinander aufreihen.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes mit dem heutzutage grössten leerstehenden Anteil datiert aus dem Jahr 1493, damals noch unter anderem Namen. Dieser veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte mehrmals geringfügig, wahrscheinlich aufgrund verschiedener Dialekte. Die Einwohnerzahl schwankte vor der Genehmigung  zum Bau einer kleinen Tuchfabrik 1833 zwischen 8 und 10. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier eine der ersten Wasserturbinen Deutschlands eingesetzt.

Ab 1856 wurde durch besonders durch eine neue große Weberei und Tuchfabrik geprägt zu der in den Jahren 1870/1872/1874 auch drei große Arbeiterwohnhäuser errichtet wurden. Gebaute Wassergräben und ein Mühlenschlacht blieben jedoch unbenutzt, da hierzu keine Genehmigung erteilt wurde. Zu dieser Zeit arbeiteten fast 600 Menschen in der Fabrik.

Aufgrund von immer größeren Produktionsmengen wurde schließlich 1886 mit dem Bau eines ersten Teilabschnitts einer Eisenbahn begonnen, dieser soll heutzutage als Museumsbahn wieder hergerichtet werden. In den Folgejahren sank die Bevölkerung jedoch wieder merklich von 1885 sechs Wohnhäuser mit 380 Einwohnern auf sieben Wohnhäuser mit 312 Einwohnern im Jahr 1895 und 299 Einwohner in 17 Wohnhäuser 1905. Ein Grund hierfür war ein Brand noch vor 1890 der Teile der Tuchfabrik zerstörte aber das Hauptgebäude verschonte. Als Folge wurde um 1890 Insolvenz angemeldet und 325 Arbeiter entlassen.

1898 wurde das Industriegebäude durch einen früheren Gläubiger in eine Papierfabrik für Fahrkartenkarton- und Tapetenpapier umgebaut. Erstmals Strom floss 1912, dieser wurde durch eine Dampfturbine selbst erzeugt. Doch das neue Glück hielt nicht lange und so geriet die Fabrik schon 1927 wieder in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Eine erneute Übernahme sorgte dafür, das hier ab diesem Jahr Papiersäcke für Zement gefertigt wurden. Aufgrund hohen Bedarfs während und auch vor allem nach dem 2. Weltkrieg war die Nachfrage so enorm, dass die britischen Besatzer 1948 die Erlaubnis für die Wiederaufnahme der Produktion erteilten. 1952 wurde die Fabrik sogar nochmal mit einer neuen AEG Dampfturbine ausgerüstet. Gegen 1959 arbeiteten hier noch 150 bis 200 Menschen. In den 1960er Jahren erfolgte dann die letzte Übernahme durch die schwedische Firma Korsnäs. Da die Produktionskapazität am Standort einfach zu klein war um noch konkurrenzfähig zu sein, wurde am 30. November 1970 die Produktion endgültig eingestellt und die restlichen 135 Mitarbeiter entlassen. Die große Hauptfabrik verfällt seitdem Stück für Stück und ist fast ein Sinnbild für die ganze Region und die anderen 2 Orte mit großen ehemaligen Tuchmachereien geworden. Nach dem Ende der Tuchmacher und der nachfolgenden Papier Ära gab es sehr viel Leerstand aufgrund des Wegfalls des einzigen und tragenden Industriezweigs.

1997 jedoch siedelten sich mehrere Firmen in den Nebenbauten und in den anderen ehemaligen Fabriken an und sorgten auch zusammen mit Förderprogrammen für Aufschwung, während immer noch weite Teile der riesigen Areale seit Jahrzehnten sich selbst überlassen sind und Ihren morbiden Charme weiter aussprühen.


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